Telegram-Screenshot eines chinesischen Wikipedia-Channels

Telegram – Messenger nicht besser

Telegram ist der Messenger für Menschen, die ein Unbehagen an der Welt mit sich herumtragen – die aber keine Ahnung haben. Lasst die Finger von diesem Programm. Sinnvolle Alternativen sind Signal oder Threema.

Die letzten Sonnenstrahlen versuchen, den Herbst auf Abstand zu halten. Um mich herum nimmt der Anteil an Jacken-Trägern über die letzten Wochen zu. Ich verfolge im Tempelhofer Hafen seit dem Frühjahr den Anblick der Schwan-Jungen. Die entwickelten sich von niedlich über elegant zu hässlich und sehen im Oktober erwachsen aus.

Am ausgestreckten Arm rotiere ich das Handgelenk: Langsam die Faust nach oben ziehen, Arm zweimal drehen, Hand fallen lassen und wieder langsam nach oben ziehen. DJ Hüpfburg kommt herangelaufen: „Was machst Du denn?“ – „Der Mausarm-Kurs auf der App meiner Krankenkasse. High-Tech!“ Sie lächelt: „Du Hipster“

DJ Hüpfburg setzt sich. „Elendes Elend mit den Massenhochzeiten. Erst werden alle krank. Dann will niemand mehr feiern. Gut, dass die Hochzeits-Saison bald vorüber ist. Dann fällt es mir nicht so auf, wenn die Aufträge wegbleiben. Meine Güte, es muss den Menschen doch möglich sein zu heiraten, ohne eine Pandemie auszulösen.“ Sie gestikuliert mit den Händen.

Ich wundere mich „Es ist mittags – und Du hast keine Asia-Box dabei?“ Sie erzählt: Der Streetfoodwagen vor dem Ullstein Castle macht Urlaub. Außerdem war sie weiter im Norden. Ein neuer syrischer(?) Imbiss – Sairan – mit den besten Falafeln nördlich des Mittelmeers und einem göttlichen Schawarma.

Er ist neu und leider noch oft ohne Kunden. Die Falafel sind natürlich nicht vorgeformt, sondern die Masse ist vorbereitet. Die Falafel werden im Moment der Bestellung geformt. Und dieser Salat! So geschmackvoll und säuerlich wie letztens in Nahost. Sie will dort täglich kaufen, um den Imbiss zu retten. „Sairan – willkommen Orient. Direkt vor dem Rathaus Tempelhof! Geh zu Sairan!“

Ihr Telefon trötet. „Töröö!“ Ich schaue ungläubig. „Benjamin Blümchen auf deinem Handy?“ – „Bei mir tröten Telegram-Nachrichten von Unbekannten. Neuer spannender Kunde hoffentlich. Telegram-Anfragen sind die spannendsten. Und die anstrengendsten.“

Ich: „Aha.“

Sie: „WhatsApp machen alle. Signal und Threema sind für anstrengende Leute, die alles besser wissen. Telegram-Nutzer sind die, die keine Ahnung aber eine Meinung haben. Furchtbare Technik. Aber spannende Kunden.“

Das Versprechen von Privatsphäre

Messenger-Dienste entstanden im weiten Raum zwischen Kurznachrichten, Chat und Social Media. Sie bieten die Möglichkeit, private Nachrichten auszutauschen, ebenso wie sich in Gruppen zu unterhalten. Ihr natürlicher Lebensraum ist das Smartphone.

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Logo des Messengers Signal / TextSecure

Ein Smartphone für Mama (I)

„Tüddelkram! Ich mach das nicht! Ich brauch das nicht!“. Der Kaptain vertritt eine eindeutige Meinung. Smartphones will sie nicht. Sie hat ein Telefon und einen Computer und ein nicht-smartes Handy. Für Entertainment kommen zwei E-Reader hinzu. Smartphones mögen ihren Nutzen haben. Aber nicht für sie.

Madame und ich haben erfolgreichere Weihnachtsgeschenke verschenkt. „Aber das ganze Dorf nutzt WhatsApp..“ Beginne ich vorsichtig. „Ach was. Wenn die was wollen, wissen sie wo ich wohne. Ansonsten freue mich, nichts von ihnen zu hören.“ So ist der Stand derzeit.

Dennoch sind wir der Meinung, dass ein Smartphone sinnvoll wäre. Nicht wegen WhatsApp. Vor allem wegen des anderen Messengers, Signal. Messenger-Dienste bedeuten um Jahr 2020 einen Zugang zur Welt, der auf anderen Wegen schwieriger wird.

Der lange Weg zum Smartphone

Noch haben wir kein Gerät besorgt. Uns ist klar, dass dies einigen Aufwand bedeutet. Solange wir den Kaptain nicht im Boot haben, ist der Aufwand nicht sinnvoll.

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