Screenshot Twitter.Top-Empfehlung. Wüste Diskussionen zu Wagenknecht.

Wie Twitter in den Wahnsinn treibt

@kellerkind71, die auf eine unprätentiöse Art meinen Horizont erweitert. Die die Fragen an Leben und Politik stellt, vor denen ich zurückweiche. @mtwirth, neben @presroi meine älteste Internetbekanntschaft, die auf ihr 20-jähriges Jubiläum zugeht. Diesen Sommer wird es soweit sein. @Fischblog, der stete Quell von Fakten wie Verkehrsunfällen, @Schwimmblog, die ultimative Kennerin der Berliner Schwimmlandschaft. Die Schwimmblase. @brodnig, die klügste deutschsprachige Stimme zum Geschehen im Internet, @zeynep, die klügste Stimme zum Geschehen im Internet.

Den Kontakt zu ihnen, verdanke ich der Social-Media-Plattform-Twitter. Und die 700 anderen Accounts denen ich Folge, die mir Freude, Infos, Sinn und Horizonterweiterung gaben. Durch Twitter lernte ich Menschen kennen und schätzen. Mehr als eine unserer Real-Life-Aktivität und Freizeitveranstaltung nahm ihren Ursprung auf Twitter. So hätte die Veranstaltung Wikipedia:Ahoi ohne Twitter nie stattgefunden.

Die Plattform schien wie eine unschuldige Idee. Schreibe in das Internet. Benutze höchstens 140 Zeichen. Das war 2006 die Revolution. Er erschuf die schnellste, aktuellste Internetplattform, die es je gab. Leider mutierte sie. Was eine Plattform für schnelle Horizonterweiterung, spielerischen Schlagabtausch und Gedankenspiele war, mutierte zum Brei aus schlechter Laune, Aggressionen und der Wiederholung des immer gleichen.

Ich folge auf Twitter einer sorgfältig gewählten Auswahl aus geistreichen, gebildeten, umfangreich interessierten Menschen. Der Brei, den der Twitter-Algorithmus daraus zusammen mischt mutiert immer mehr zu einer Ansammlung schlechter Laune, von Geschreie und mäßigen Witzchen. Ich will nicht mehr. Meine persönlichen Verluste durch Twitter-Abstinenz sind erheblich. Dennoch verbringe ich seit Jahreswechsel kaum Zeit dort. Es treibt mich in den Wahnsinn. Nicht nur mich, Twitter verbreitet systemisch Wahnsinn. Es treibt Menschen in die nervliche Überlastung.

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Scribus Screenshot Umwandeln in Umrisse

Type3 Schrift Scribus in PDF

Kruzifix! Wieder ging ein Abend dahin, die ich auf der Suche nach der Type-3-Schrift verbrachte. Ich bastelte ein neues Dokument im Open-Source-DTP-Programm Scribus und exportierte es in ein PDF. Wieder tauchten diese mysteriösen Type-3-Fo350-Schriften auf.

Screenshot aus den PDF-Dokumenteigenschaften. Angezeigt werden die Schriften Fo350 und Fo450.
Type3-Schriften „Fo350“ und „Fo450.“ Ursprünglich „Bauhaus93“. Da sind die Übeltäter.

Diese sind im digitalen PDF nicht schlimm. Nur wird meine Druckerei sie um die Ohren hauen. Denn es ist eine gute Druckerei.

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Logo des Messengers Signal / TextSecure

Ein Smartphone für Mama (I)

„Tüddelkram! Ich mach das nicht! Ich brauch das nicht!“. Der Kaptain vertritt eine eindeutige Meinung. Smartphones will sie nicht. Sie hat ein Telefon und einen Computer und ein nicht-smartes Handy. Für Entertainment kommen zwei E-Reader hinzu. Smartphones mögen ihren Nutzen haben. Aber nicht für sie.

Madame und ich haben erfolgreichere Weihnachtsgeschenke verschenkt. „Aber das ganze Dorf nutzt WhatsApp..“ Beginne ich vorsichtig. „Ach was. Wenn die was wollen, wissen sie wo ich wohne. Ansonsten freue mich, nichts von ihnen zu hören.“ So ist der Stand derzeit.

Dennoch sind wir der Meinung, dass ein Smartphone sinnvoll wäre. Nicht wegen WhatsApp. Vor allem wegen des anderen Messengers, Signal. Messenger-Dienste bedeuten um Jahr 2020 einen Zugang zur Welt, der auf anderen Wegen schwieriger wird.

Der lange Weg zum Smartphone

Noch haben wir kein Gerät besorgt. Uns ist klar, dass dies einigen Aufwand bedeutet. Solange wir den Kaptain nicht im Boot haben, ist der Aufwand nicht sinnvoll.

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DDR-Eierbecher aus der Sammlung des Museums Europäischer Kulturen. Aus Kunststoff, in der Form von Hühnern. Einer in rosa, einerin hellblau.

Wikipedia im MEK forscht zum Dudelsack der DDR

Schafe grasen auf dem Dach. Schafe. Mitten in Berlin. Metropolenschafe. Berghain-Schafe. Berlin-Schafe. Dort, wo die Stadt zwar auszufransen beginnt, ist noch Stadt. Der Blick aus den Hinterzimmern des Museums Europäischer Kulturen bietet Einblicke und Ausblicke.

Zum Beispiel auf das Dach der nahe gelegenen Veterinärmedizin der FU Berlin. Dort grasen Schafe auf dem Dach. Schafe, deren Daseinsgrund bereits gerichtlich überprüft wurde. Sie grasen dort auf dem Dach seit 1960.


Wiki goes MEK

Wir sehen sie aus dem Museum Europäischer Kulturen – dem letzten Museum des einstigen Museumsviertels in Dahlem. Während die Außereuropäischen Kulturen unter Getöse in das Berliner Stadtschloss ziehen wollen, bleiben wir im Grünen.

Dank des Wikipedianers Julius1990, den Mitarbeiterinnen des Museums wie Jana Winterzellner und dank Wikimedia Deutschland ziehen wir bereits zur Dritten Veranstaltung „Wikipedia goes MEK“ ein. 2017 fand diese zum Thema „Spielzeug“ statt, 2018 zum Thema „Hochzeit“, 2019 zur „Alltagskultur in der DDR.“ Aber das ist nur Anlass. Gibt es doch mehr. Wir genießen Aus- und Einblicke.

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Sportler-Biographien in Wikipedia sinnvoll?

Sport quietscht. Das ewig gleiche Quietschen der Hallenschuhe in der Turnhalle der Robert-Koch-Realschule Langenhagen. Abstoppen „qwiiiiiiichr“. Beschleunigen. Drehen „qwiiiiichr“. Jeden Montag und jeden Donnerstagabend.

Über Jahre derselbe blaue Bodenbelag, dieselben farbigen Markierungen. Die Backsteinwände an den Längsseiten. Die leere Tribüne mit 400 Plätzen und die Holzverkleidung vor dieser. Hin- und Herlaufen. Abstoppen. Wenden. Quietschen. Über Jahre. Dieselben Gespräche in der immer gleichen Umkleide. Und dieses Geräusch des stoppenden Turnschuhs auf Hallenboden. Die Szenen unterscheiden sich kaum, ob ich 11, 14 oder 17 Jahre alt war.

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Wikicon in Wuppertal 2019. Das Kurzfazit.

Das p macht Probleme. Thiemo und fünf weitere Wikipedistas betrachten den an die Wand geworfenen Lua-Code und suchen, worauf sich „function p“ bezieht. Alle Funktionen sind sauber benannt. Nur p nicht. Was macht p?

Zu Thiemos Verwunderung bin im Talk zum Thema „Tipps zum Einstieg in die Softwareentwicklung in den Wikimedia-Projekten“ aufgeschlagen. Angeregt von der Bemerkung, dass Lua die schönere Alternative zum Vorlagencode der Wikipedia wäre, stellte ich zur größeren Verwunderung des Referenten die Frage nach der Programmiersprache.

Inhaltlich beitragen kann ich nicht. Wählte ich den Talk doch getreu dem Motto „Gehe dorthin, wo dein eigenes Wissensloch am tiefsten ist.“

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Mit dem Fahrrad auf der Daten-Autobahn

Die „Datenautobahn“. Ein vergessener Begriff? Politiker und Nachrichtensprecher nutzten ihn als Metapher für das Internet. Er stammt aus Zeiten, in denen das Internet neu und exotisch war. Apple verkaufte damals Heimcomputer-Kits zum selber schrauben. Die meisten Menschen hatten Telefone der Post im Haus. „Social Media“ hieß noch „Geocities“. Das Auto war in Deutschland der ultimative Vergleichsmaßstab aller Technik. Was gut und technisch war, war Autobahn. Vergangene Zeiten. Wirklich?

Das Auto hat seinen Platz als Sinnbild für technischen Fortschritt verloren. Autobahnen werden noch gebaut. Sie haben aber ihren Zauber eingebüßt. Die Faszination der Technik besteht weiter. Nur faszinieren jetzt Smartphones und „intelligente“ Lautsprecher. Die Augen leuchten bei selbstfahrenden Rollern und personalisierten Whats-App-Familiengruppen.

Wer von Autos spricht, kann auch von Dampfmaschinen sprechen. Es wirkt weit weg. Aber gerade dieser Abstand ermöglicht Einsichten. Die Autobahnmetapher für das Internet ist passender, als es auf den ersten Blick scheint. Autobahnen wurden über Jahrzehnte von Apologeten und Anhängern des Fortschritts ohne Rücksicht auf Verluste propagiert. Menschen, berauscht von der Geschwindigkeit und ihrer eigenen Schaffenskraft unter dem Banner des Fortschritts bauten das Bauwerk überhaupt für den Autoverkehr.

Geschenke für die Menschheit

Dabei haben Auto und die Autobahn der Menschheit unschätzbare Vorteile gebracht. Sie haben Menschen zusammengebracht. Sie ermöglichten eine vorher ungeahnte körperliche und geistige Mobilität. Sie verschafften ihren Nutzern verblüffende Möglichkeiten und Freiheiten.

Ebenso wie das Internet und alles was darauf folgte.

Die Autobahnen begannen harmlos. Menschen fuhren in ihrer Freizeit zu den Schnellstraßen. Sie picknickten gemütlich an deren Rand. Gelegentlicht schauten sie ehrfurchtsvoll auf ein vereinzelt vorbei fahrendes Auto.

Das Blog hätte ich "mit dem Kajak vor dem Containerschiff" heißen können.
Das Blog hätte auch „mit dem Kajak zwischen den Containerschiffen“ heißen können.

Das Netz begann harmlos. Menschen riefen begeistert von den Möglichkeiten eine der 100 existierenden Webseiten auf. Sie warteten mehrere Minuten, bis ein Bild erscheinen war. Sie jubelten, wie einfach eine Information zu bekommen war.

Mit der Entwicklung kam die Lebensfeindlichkeit. Die Datenautobahn, das Internet, entwickelt sich immer mehr zum Unort. Masse und Macht drohen den einzelnen Menschen zu überwältigen. Reflexion tut not wie der Mensch an sich sich diesem Ansturm erwehren kann.

Hier im Blog geht es um den Menschen mit seinen einfachen fassbaren Hilfsmitteln, dem metaphorischen Fahrrad, der sich auf diese Datenautobahn begibt.

Nicht retro

Dieses Blog wird nicht retro sein. Keinesfalls möchte es zurück zu den Zeiten vor dem Internet. Zu sehr habe ich selber die Befreiung und den unfassbaren Möglichkeitsraum im Hinterkopf, den mir das Internet verschaffte. Oder wie ein Freund sagte „in meiner Jugend gab es noch kein Google. Und ich habe es vermisst.“ Aber es wird sich nicht dem Fortschritt an den Hals werfen. Hier herrscht der Geist enthusiastischer Skepsis.

Ähnlich wie die Verkehrspolitik inzwischen von Fahrradschnellwegen, erweiterten Fußgängerzonen und öffentlichem Nahverkehr redet, richtet dieses Blog sein Augenmerk auf den Menschen. Wie lässt sich das Netz, im kleinen wie im großen, so gestalten, dass es menschlichen Maßstab behält. Wie lässt es sich so denken, dass es eine lebenswerte Umgebung ist, in der Menschen sich entfalten können.

Was gut ist.

Das Internet ist großartig. Deshalb soll am Anfang des Blogs eine kleine unvollständige Auflistung seiner Vorteile stehen. Ich kann in Sekunden nachschlagen, dass das Feldwespennest am Haus vollkommen harmlos ist. Oma-Enkel-Gespräche über Skype sorgen für allgemeine Freude. Die Möglichkeit, per App den nächsten ÖPNV zu finden, hat Menschen in scheinbar verlassenen Gegenden geholfen.

Wie das Netz auch den Einsamen half: Wie viele Menschen mit Interessen und Neigungen in Nischen haben entdeckt, dass es Gleichgesinnte gibt? Wie viele Menschen haben erkannt, dass sie kein Leben in unverstandener Einsamkeit führen, sondern Geistesverwandte finden können. Wie viele Leben wurden gerettet, weil medizinisches und hygienisches Grundwissen in wenigen Sekunden verfügbar ist. Das gilt es zu bewahren.

Menschliches Maß

Zunehmend entscheidet eine Dynamik in der Größe alles übertrumpft. Eine Dynamik, die die Menschen mitschleift. Der Ansatz des Blogs wird vielfältig sein: Wo hat das Netz menschliches Maß? Wo hat es jede Rücksicht verloren, wo gleicht der Datenstrom der zweistöckigen zehnspurigen Autobahn, die sich durch ein Wohngebiet fräst? Wo in der Geschichte des Netzes lagen und liegen Ansätze zu Beidem? Wie lässt sich menschliches Maß wiederherstellen: im Großen und im Kleinen. Es wird geschrieben von Menschen mit den fast überholten Mitteln des Blogs. Oder anders gesagt: auf mit dem Fahrrad auf die Datenautobahn und aufmerksam darauf achten, was wir sehen werden.